Michael Krügers “Himmelfarb” im DaF-Unterricht
Werner Heidermann, UFSC/Florianópolis
Nach den theoretischen Einordnungen von Fábio Luís Chiqueto Barbosa, Izabela Maria Furtado Kestler und Georg Wink vom Vortag konnte es in dem hier skizzierten Beitrag sehr literaturpraktisch werden; wesentlich ging es um eine Leseempfehlung: Michael Krügers “Himmelfarb”, und zwar eingeordnet in ein bemerkenswertes “Medienpaket”, bestehend aus dem Krüger-Roman selbst (aus dem Jahr 1993), seiner Übersetzung ins brasilianische Portugiesisch durch Sérgio Tellaroli (schon 1995), aus einem Artikel im “Estado de São Paulo” aus dem Jahr 1999 und schließlich einem anderen Werk: Otto Schulz-Kampfhenkels “Rätsel der Urwaldhölle” aus dem Jahr 1938, im selben Jahr unter demselben Titel ebenfalls als Film erschienen.
Der Roman
Beginnen wir mit dem zunächst im Residenz Verlag und später im Fischer Taschenbuch Verlag erschienenen “Himmelfarb”. 1941 – der Ethnologie-Doktorand Richard wird zur Erforschung eines Indiostammes nach Brasilien geschickt, und zwar mit der Maßgabe seines Doktorvaters, “keinesfalls Kontakte zu Emigranten zu suchen, Kommunisten oder Juden oder beides zusammen” (Krüger 1997: 29). Derjenige, den Richard in São Paulo kennenlernt und der für die Jahre seines Brasilienaufenthalts sein Assistent und Reisegefährte werden wird, ist Leo Himmelfarb; und Himmelfarb ist Emigrant und Jude. Richards Verhältnis zu São Paulo, zu Brasilien, zu Brasilianern und Eingeborenen ist von vornherein sehr eindeutig: Er hasst São Paulo, er hasst Brasilien, er hasst die Brasilianer, er hasst die Eingeborenen. Der Ethnologie-Student quält sich zwei Jahre lang durch den Urwald, leidet an allem und allen. Gegen Ende der Forschungsreise erkrankt sein Begleiter so schwer, dass er allem Anschein nach nicht wieder gesunden wird. Himmelfarb diktiert Richard einen Monat lang die Erkenntnisse der Expedition, und Richard reist zurück nach Deutschland. Er veröffentlicht seinen Bericht: “das erste meiner Bücher, von dem außer dem Titel nichts von mir stammte” und widmet es “dem Andenken meines Freundes Leo Himmelfarb” (Krüger 1997: 18). Ganz entgegen Richards Einschätzung überlebt Himmelfarb, der ihm -fünfzig Jahre später- einen Brief schickt, aus Tel Aviv. “Himmelfarb” ist die Geschichte eines Plagiats, einer Lebenslüge; ein Leben lang zehrte der renommierte Ethno-Schriftsteller von seinem ersten Bucherfolg, der eben nicht sein Werk war. Der Brief aus Tel Aviv erschüttert Richards Lebensabend, der Achtzigjährige zieht Bilanz; die letzte Seite seines Notizbuches bleibt unbeschrieben. Diese letzte Seite ließ die Herausgeber der brasilianischen Ausgabe bei der “Companhia das Letras” denn auch den Titel bestimmen: “A última página”.
Michael Krügers Roman von nur knapp 170 Seiten ist so unterhaltsam wie tief, so fesselnd wie pointiert. Schöne Sätze gibt es, wie diesen sozusagen tropenmelancholischen: “Wer einmal im Urwald war, kennt die Versuchung des Verstummens.” (Krüger 1997: 56) Oder diesen, der daran erinnert (Hallo, DeutschlehrerInnenkongress!), dass das Fremde nicht das flüchtige und immer wohlfeile Tolerieren des touristisch Anderen ist: “Mich beschlich nicht die Angst davor, dem Fremden zu begegnen, sondern die tiefer sitzende Furcht, das Fremde nicht bewältigen zu können.” (Krüger 1997: 66) Oder solche quasi tourismus- und ethnologiekritischen Äußerungen: “Wenn man zuviel im Leben gesehen hat, kommt man am Ende mit ein paar Bildern aus, mit wenigen Erinnerungen, in denen alles enthalten ist. Reisen zerstört die Erinnerung.” (Krüger 1997: 92) Und:
“Wahrscheinlich ist der Postbote oder die Gärtnerin von gegenüber, die Frau mit dem kleinen Kopf, fremder als jeder Hopi-Indianer, der sich am Ende des Monats seinen Scheck abholt, um sich drei Tage zu besaufen. Die Wissenschaften, die uns bis auf die Knochen gebleicht und zerredet haben, haben einen Fremden hinterlassen, ein fremdes Wesen, das durch keine Analogie mit einem Menschen verglichen werden kann. Die ‘allgemeine Sonne’ ist untergegangen, und in der schattenlosen Ebene huschen ein paar Gestalten herum, die sich gut beobachten lassen. Schluß mit der Ethnologie, Schluß mit den Reisen.” (Krüger 1997: 12)
Richard ist im Grunde nur ein widerlicher Rassist, ein chauvinistischer Ignorant, der noch zu mittelmäßig ist, zu diesem Gebräu aus Chauvinismus und Rassismus zu stehen. Im Grunde will Richard nur weg:
“Ich wollte weg, nach Deutschland zurück. Ich wollte nicht in dem Meer des Unbekannten, das mich umgab und belästigte, untergehen. Ich interessierte mich nicht für Indianer, für diese verwilderten Menschen und ihren Hang zu Trunksucht und Streit. Ich wollte sie weder retten noch verdammen, ich wollte weder ihre guten Eigenschaften beschreiben noch ihre schlechten, die sich bei günstiger Gelegenheit so rasch entwickeln. Ich wollte sie nicht einmal sehen.” (Krüger 1997: 34)
Leo Himmelfarbs Haltung könnte gegensätzlicher gar nicht sein; und so wird sehr schnell klar, wer von beiden der eigentliche Ethnologe ist. Richard voller Eifersucht:
“Während ich der Freiheit, die ich doch, der Leipziger Universität und dem deutschen Heer entkommen, genießen sollte, nicht gewachsen war und ständig nach Ordnungsprinzipien Ausschau hielt, um mein Verhältnis zu den Menschen und der Natur zu regeln, befolgte Leo ein Prinzip des Nehmens und Gebens, des Lernens und Lehrens, des Zuhörens und Erzählens, mit einem Wort: des Austauschs, das ich nicht einmal imitieren konnte. Zu ihm gingen die Eingeborenen, vor mir hatten sie Angst. Und er ging zu ihnen, fragte sie aus, ließ sich ihre Geschichten erzählen und ihre Gegenstände erklären, sie nahmen ihn mit, wenn sie an ihren freien Tagen auf Jagd gingen oder ihren Stamm besuchten, er durfte anwesend sein bei Hochzeiten und Beerdigungen, er war der Arzt, der Richter und der Lehrer in einer Person.” (Krüger 1997: 131f.)
Während der Expedition noch sagt Himmelfarb seinem Arbeitgeber Richard: “Ich glaube nicht, daß aus dir ein großer Ethnologe wird, (...) du interessierst dich zu wenig für Menschen.” (Krüger 1997: 110) “Sich zu wenig für Menschen interessieren” – sollte das nicht ein Thema sein, für das wir unsere StudentInnen interessieren müssen?! Richard jedenfalls versteht –zumindest im Nachhinein– die Tragweite des Verdikts seines Gefährten. Ganz am Ende des Romans nämlich legt er sein Notizbuch in seine Aktentasche und stellt seine Aktentasche so auffällig ab, dass sie gefunden werden muss, und zwar in der Hoffnung: “Möge sie einer finden, der sich für Menschen interessiert.” (Krüger 1997: 166) Das leitmotivische Sich-für-Menschen-Interessieren komponiert Michael Krüger sehr kunstvoll – und wesentlich durch die schlichte Gegenüberstellung von menschlicher Anteilnahme hier und zynischer Verachtung dort.
Die Rezension
Beklagen wir nicht oft den Umstand, dass unsere StudentInnen nicht lesen? Nun ja, es war ein Student, der mich auf einen 1999 erschienenen Artikel im “Estado de São Paulo” aufmerksam machte. Die Autorin Márcia Glogowski stellt in wenigen Zeilen Michael Krügers “Himmelfarb” vor; der kurze Text gehört zu einem längeren Artikel derselben Ausgabe, unterzeichnet von Rebeca Kritsch und überschrieben mit “Cruz no Rio Jari é resquício de incursão alemã na Amazônia”.
Das Kreuz ist das Kreuz auf dem Grab von Joseph Greiner. Es liegt auf einer Flussinsel in Amapá und wirkt dort durch seine Inschrift in deutscher Sprache und ganz besonders durch das Hakenkreuz ausgesprochen surreal. Joseph Greiner war Mitglied einer deutschen Expedition, die in den Jahren 1935 bis 1937 den Jari und den Weg nach Französisch-Guyana erforschen wollte. Der Artikel beruft sich auf Informationen des Historikers Cristóvão Lins, der als derjenige dargestellt wird, der die Geschichte der abenteuerlichen Expedition nachvollzogen habe. Die Rede ist von einem Buch, das ein Kollege Lins’ in einem Antiquariat in Berlin gefunden und das eine Fülle von Enthüllungen enthalten habe. Der Autor dieses Buches war der Leiter der Expedition: Otto Schulz-Kampfhenkel, in Fachkreisen seinerzeit vermutlich so bekannt, dass der Nachname genügte; auf Buchrücken und Deckblatt ist schlicht von “Schulz-Kampfhenkel” die Rede.
Der Expeditionsbericht
Der Titel des Buches lautet “Rätsel der Urwaldhölle“, und Glogowski und Lins sind sich sicher, dass Michael Krüger sich von diesem Expeditionsbericht hat inspirieren lassen: “O escritor alemão Michael Krüger certamente se inspirou nessas excursões para criar o personagem Richard, do romance A Última Página (Himmelfarb).”
Zwischendurch: Die E-Mail-Korrespondenz
Nun mag man, gemeinsam mit den StudentInnen, Roman und Expeditionsbericht studieren und sezieren, nach Parallelen absuchen, hier eine Übereinstimmung finden, dort eine ganz andere Gewichtung, hier an einer Beeinflussung zweifeln, dort das böse P.-Wort denken. Man kann aber auch ganz anders verfahren und zum Beispiel, gemeinsam mit den StudentInnen, dem Autor Michael Krüger eine E-Mail schreiben und ihn selbst nach den Zusammenhängen fragen. Wir haben das damals gemacht, genauer am 17.4.2002. Schon einen Tag später erhielten wir Michael Krügers sehr freundliche Antwort: “(…) Nein, das Buch kenne ich nicht. (…)” Sehr aufschlussreich die Beschreibung seiner Arbeitsweise: “Ich habe damals und immer wieder ethnologische Berichte über Brasilien gelesen, die besonders in den Partien Verwendung fanden, die ich dann weggeschmissen habe und die eine Art Geschichte der deutschen Völkerkunde im dritten Reich bildeten, aber dann dachte ich, dass das zuviel wäre für die Geschichte und habe sie dem Papierkorb übergeben.”
Zu der Frage, in welcher Beziehung Bücher miteinander stehen können, schreibt Berthold Zilly den schönen Satz: “Bücher stehen oft im Dialog, auch wenn ihre Autoren nichts voneinander wissen.” (Zilly 2005: 289)
Der Fund im Berliner Antiquariat war ein Zufall; heute ist es sehr einfach, einen antiquarischen Buchtitel zu finden. Unter www.zvab.com, dem größten Portal, bieten über 4.000 Antiquariate aus 27 Ländern ca. 25 Millionen antiquarische Artikel an. Dieser Hinweis kann für unsere Studierenden wichtig sein: Die Klage “Das Buch gibt es nicht mehr” gibt es beinahe nicht mehr!
In meinem Fall kam die gebundene Ausgabe aus dem Jahr 1938 (“Mit 93 Aufnahmen der Verfasser, 3 Kartenskizzen und 6 Indianerzeichnungen”) aus dem Antiquariat Kurzenknabe in Biebertal und kostete € 12,90: “Rätsel der Urwaldhölle”, im Untertitel “Vorstoß in unerforschte Urwälder des Amazonenstromes – Von Schulz-Kampfhenkel – Mit Tagebuchberichten seines Jagd- und Fliegerkameraden Gerd Kahle”, erschienen im Volksverband der Bücherfreunde/Wegweiser-Verlag Berlin.
Wer nun, geprägt durch den Artikel im “Estado de São Paulo” und alarmiert durch das Erscheinungsjahr 1938, Nazi-Propaganda erwartet oder zumindest einen ideologisch klar positionierten Expeditionsbericht, der muss umdenken und wundert sich. Er wundert sich über den Grundton des Reports, der an keiner Stelle -und eben ganz anders als Krügers fiktiver Ethnologe- Mitglieder der indigenen Völker verunglimpft, sondern diese mit allergrößtem Respekt beschreibt.
Die Indios bezeichnet Schulz-Kampfhenkel als “diese prachtvollen Waldmenschen” (Schulz-Kampfhenkel 1938: 106), und er weiß, was die Expedition ihnen zu verdanken hat: “Ohne Indianer, diese kühnen, alle Gefahren berechnenden Schiffer der Stromschnellenflüsse, wären wir längst an den reißenden Felsenpässen zerschellt.” (Schulz-Kampfhenkel: 110)
Wo Krügers Richard immer und immer wieder bloß “Ekel” (Krüger 1997: 70) empfindet, da nimmt der real existierende Forscher Schulz-Kampfhenkel Brasilien, Amazonien und den Amazonas ganz anders wahr: “paradiesisch schön ist es um uns herum” (Schulz-Kampfhenkel: 35). Vom “Zauberreich” (59) spricht er, vom “Märchenland” (23), von “malerische[r] Landschaft” (69); “Urnatur” (83) und “Urleben” (84) haben es ihm angetan.
Was die Expeditionsteilnehmer für Jahre auf sich nehmen, lässt mehr als einmal an Werner Herzogs “Fitzcarraldo” denken und an die Strapazen, die damit verbunden sind, die “Molly Aida”, ein veritables Schiff immerhin, mit nichts als Menschenkraft über einen Berg zu hieven.
Der Film
“Rätsel der Urwaldhölle” ist 1938 verfilmt worden, und man mag einen Eindruck von der Persönlichkeit Otto Schulz-Kampfhenkels bekommen, wenn man in den technischen Beschreibungen liest: „Regie: Otto Schulz-Kampfhenkel“; „Drehbuch: Otto Schulz-Kampfhenkel“; „Kamera: Otto Schulz-Kampfhenkel“. Wir wissen, dass er selbstverständlich auch einer der Piloten des zu der Expedition gehörenden Wasserflugzeugs war; und wir wundern uns, dass die Filmmusik nicht von ihm stammt – sondern von Franz R. Friedel. Der Film hat eine Dauer von 99 Minuten, wird mal als „Dokumentarfilm“ bezeichnet, mal als „Forschungsgroßfilm“. Hergestellt wurde er bei der Universum-Film AG (UFA) in Berlin.
Ich habe nicht versucht, eine Kopie des Films aufzutreiben. Ein dankbares Unternehmen müsste es sein, dies zu tun und zu Filmvorführungen in Pará einzuladen.
Didaktisierungsfragmente
In einer Selbstreflexion sieht Richard sich als “ein schrulliger Herr” (Krüger 1997: 53). “Was heißt denn ‘schrullig’?” ist im Unterrichtszusammenhang die Frage, die gar nicht ausbleiben kann. (Sie blieb übrigens auch beim Vortrag in Rio nicht aus!) Nun gibt es viele Möglichkeiten der Wortschatzarbeit. Wir befinden uns im Umfeld ästhetischer Sprachvermittlung, und da sollte die bloße Verständlichkeit vielleicht zuweilen zurücktreten, und zwar zugunsten eines Versuchs, eine Idee von so etwas wie lexikalischem Luxus zu vermitteln. Literatur ist eben auch Sprache im Überfluss. Denjenigen, die nach der Bedeutung von “schrullig” fragen, also hier ein Synonymengedicht – * steht für eine etwas längere Sprechpause:
Schrullig ist …
… seltsam, merkwürdig, komisch * schrill, ungewöhnlich * unsozial, asozial,
antisozial * gehemmt, verklemmt, unfrei * allein, einsam, vereinsamt * in sich gekehrt, abgekapselt, isoliert * egoistisch, egozentrisch, egoman * individuell, individualistisch * rätselhaft, sich selbst ein Rätsel, unbequem, unkonventionell, rebellisch, unangepasst * manisch, obsessiv * widerspenstig, dickköpfig * eigensinnig, starrsinnig, stur * verbohrt, ungesellig, streng * aufmüpfig, aufsässig * mäkelnd, nörgelnd, unzufrieden, frustriert, unflexibel * scheu, schüchtern, verschreckt * aber doch auch irgendwo versteckt und irgendwie beinahe unsichtbar ein ganz kleines bisschen liebenswert
Eine Aufgabe könnte darin bestehen, anhand der im Expeditionsbericht aufgelisteten Ausrüstung (“nach dem modernsten Stand der deutschen Technik” [Schulz-Kampfhenkel: 15]) darüber nachzudenken, inwieweit Cristóvão Lins’ Einschätzung naheliegend ist, derzufolge es bei der Entdeckungsreise um Waffentests ging.1
Die Ausrüstung:

Den Text präsentiere ich in Old English Text MT, derjenigen Schrift unter Word, die der im Buch von 1938 verwendeten Fraktur sehr nahe kommt.
Eine sehr reizvolle Aufgabe könnte sein, die Ausrüstungsliste für eine Expedition im Jahr 2010 zusammenzustellen. Statt der Karten würde man ein GPS mitnehmen, statt eines „Wachsplattenapparates“ (für die Aufzeichnung von Gesprächen mit Eingeborenen) einen MP3-Player; und „Bürobedarf“ würde weitgehend durch den „Laptop“ ersetzt werden.
Eine andere Aufgabe könnte darin bestehen, die positiven Brasilien-Attribute Schulz-Kampfhenkels mit den negativen aus Richards Bericht zu konfrontieren und die Frage zu erörtern, inwieweit die Beschreibungen des Abenteurers in erster Linie einer gewissen Naivität geschuldet und inwieweit Richards Wahrnehmungen durch sein zeitbedingtes Vorwissen geprägt sind. Für Schulz-Kampfhenkel spielte die Regierung in Berlin nur insofern eine Rolle, als sie bereit war, ihm eine erstaunlich umfangreiche Expeditionsausstattung (incl. Wasserflugzeug vom Typ „Heinkel Seekadett mit Siemensmotor S H 14a“) bereitzustellen; der künftige Anthropologe Richard hingegen hat rassistische Prägungen derart verinnerlicht, dass ihm der Blick auf vieles verstellt ist. Die Kontrastierung ist leicht anhand von Textstellen zu bewerkstelligen.
Eine andere Aufgabe: Mit fortgeschrittenen LernerInnen (C1) könnte man sich ein relativ anspruchsvolles Projekt vornehmen: Man könnte sich „die letzte Seite“ vornehmen und sehr variantenreich gestalten, wo Richard die Sprache, der Mut, die Nerven verlassen haben.
Warnung
Man könnte eine Vielzahl von Didaktisierungen entwerfen und vorschlagen. Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang die Warnung davor, Literatur, Kunst wahllos zu zerschnipseln. In erster Linie, davon bin ich überzeugt, sollten wir unseren LernerInnen überhaupt erst die Gelegenheit einer Konfrontation mit dieser ästhetischen Dimension geben. Hüten wir uns davor, das Kunstwerk als Setzkasten von DaF-relevanten Grammatikkonstruktionen misszuverstehen!
Literaturangaben
Estado de São Paulo – am 16.4.2002 abgerufen unter: www.estado.estadao.com.br/ edicao/especial/brasil/brasil114.html
Krüger, Michael. Himmelfarb. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1997.
Krüger, Michael. A última página. São Paulo: Companhia das Letras, 1995. (Tradução de Sérgio Tellaroli)
Schulz-Kampfhenkel, Otto. Rätsel der Urwaldhölle – Vorstoß in unerforschte Urwälder des Amazonenstromes. Berlin: Volksverband der Bücherfreunde/Wegweiser-Verlag, 1938.
Zilly, Berthold Zill. „Die Barbarei als Gegenteil und als Kehrseite der Zivilisation: Von D. F. Sarmiento: Facundo (1845) zu E. da Cunha: Os Sertões (1902)“ In: Martius-Staden-Jahrbuch Nr. 52/2005, São Paulo, S. 282-342.
1 Im zitierten Artikel des Estado de São Paulo: “Eles devem ter testado armas também.”

