Deutschlehrerkongress Rio Juli 2008
Schweizer schreiben über Brasilien
Susanne Gerber-Barata
Zusammenfassung
Schweizer schreiben über Brasilien – vier Bücher, alle handeln von Schweizern, die in verschiedenen Epochen über Brasilien schreiben und geschrieben haben. Ihre Auseinandersetzung mit dem tropischen Land stellen Themen wie Kulturschock und Kulturaustausch in den Mittelpunkt, und beleuchten sie aus den unterschiedlichsten Winkeln. Bücher und Texte, die sich auch gut für die Arbeit mit fortgeschrittenen Schülern im Deutschunterricht eignen, da sie sozusagen den den Spieβ des Kulturschockes einmal umkehren nach dem Motto – Fremd in Brasilien.
Einführung
Schweizer schreiben über Brasilien – eigentlich erstaunlich, dass vier Autoren ein so kleinen Landes gleich vier sehr unterschiedliche Bücher über Brasilien vorlegen. Das Spektrum ist breit. Da gibt es Eveline Hasler, die brasilianische Einwanderergeschichte zu einem Roman verarbeitet, der renomierte Schriftsteller Hugo Loetscher, der seine Brasilienaufenthalte literarisch verwertet, Jeroen Dewulf, dessen akademische Untersuchung uns die Begegnung mit den verschiedensten schweizer Aus- und Rückwanderern ermöglicht, und zum Schluss das Buch der Autorin Susanne Gerber-Barata, das die Begegnung mit diesem faszinierenden Riesenland eher journalistisch und in kleinen Texten aufarbeitet. Wie ein roter Faden ziehen sich die drei Komponenten - Begegnungen mit dem Andersartigen, - das Auswandern und in wenigen Fällen das nicht immer freiwillige Zurückkehren und - das in der Fremde leben, durch die vorgestellten Bücher. Sie heißen: Eveline Hasler – Ibicaba - Das Paradies in den Köpfen, Hugo Loetscher - Wunderwelten – eine brasilianische Begegnung, Jeroen Dewulf - Brasilien mit Brüchen - Schweizer unter dem Kreuz des Südens, Susanne Gerber-Barata - Aus dem Innern des Riesen – Abenteur Alltag Brasilien.
Die Schweiz und das Fremde
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Verweilen wir zuerst ein wenig in der Schweiz, in Steckborn, am Bodensee, Heimatstädchen von Susanne Gerber-Barata. Beim letzten Besuch zum Jahreswechsel 2007/08 sind die folgenden Zeilen entstanden:
Steckborn
Das warme, gleichzeitig beengende Gefühl, dass jeder jeden kennt, fast alles weiß.
Oder auch nicht.
Wie vom China-Meier.
Nur, dass der immer die Seestraße hinuntergondelte,
bequem zurückgelehnt, wie ich glaube, mich erinnern zu können.
Mit knapp 40ig Stundenkilometern, oder noch weniger.
Die langsam anwachsende Kolonne hinter ihm störte ihn nicht.
Lange ists her, als Autos noch Schiffe waren,
oder so sofaweich und gutriechend wie Zitronen.
Der Meier, habe da, in China, Geschäfte gehabt, lukrative,
reich sei er gewesen und allein in seinem putzigen Riegelhäuschen.
Ein Übriggebliebener, noch nicht Weggestorbener.
Ohne Nachkommen, habe er alles seiner Haushälterin vererbt.
Die sei dann, später, komisch geworden. Münsterlingen. Links. Leider.
- China Meier – Die Figur des chinareisenden Schweizers ist ein perfekter Ausgangspunkt, denn er war nur einer von ungezählten Schweizern, die längere Zeit im Ausland gelebt haben. Manche sind zurückgekommen, andere nicht. Die Schweiz war und ist ein Auswandererland. Bis heute. Bald jeder 10. Schweizer lebt im Ausland. Viele schweizer Familien haben Verwandte, Freunde oder Bekannte, die im Ausland leben, und wer kennt hier in Brasilien nicht andere Ausländer in dieser Situation.
Fremde Länder scheinen die Schweizer schon immer fasziniert zu haben. Unter anderem auch das exotische Brasilien. Sicher kennen hier in Brasilien alle Emil/Emílio Goeldi, er hat das Museu Goeldi in Belém gegründet, oder vielleicht haben einige schon von Thomas Davaz, einem schweizer Schullehrer gehört, der in die Nähe von Limeira auswanderte und da für Wirbel sorgte. Aber dazu später mehr.
Aber um noch etwas auszuholen. In einem Interview im Estado de São Paulo sagte der türkisch/deutsche Regisseur Fathi Akin folgendes, frei aus dem Portugiesischen übersetzt: Wir, die in anderen Ländern leben, werden zu einem Produkt der “Mundialização”. Ähnliches kann man auch über Loetscher lesen, ein wunderschönes Wort, von der “Mulattisierung”, die beide die Aktualität solcher Reiseliteratur unterstreichen. Sie bringen zwei doch sehr unterschiedliche Welten zusammen, bringen die brasilianische der europäischen näher. Niemand weiß es besser als ein Sprachlehrer oder auch Sprachen Lernender, dass Sprache ein Gefäss, ein Behälter, ein Vehikel ist, überreich mit Werten, Normen und Vorstellungen beladen. Sprachschüler haben, wir alle haben oder hatten ein oft total verzerrtes, überzeichnet positives oder auch zu negatives Bild des anderen Landes, in welchem man diese fremde Sprache spricht.Ein kurzer Text aus dem Buch - Aus dem Innern des Riesen - als Illustration:
Es ist Sommer. Es ist tropisch heiß. Ich trage eines meiner karierten Kleider. Die Kinder, abgerissen, überaus aufgeweckt, stammen aus der Nachbarschaft. Es sind ihrer Fünfe, jedes hat einen anderen Vater, die Mutter, alleinerziehend, trotzt dem Überlebenskampf allein.
- Kommst du aus Schottland? - fragt das aufgeschossene, magere Mädchen, deren wachen Augen kein Detail entkommt.
- Schottland? Wir schauen uns ratlos an. Bis der Groschen fällt. Bringt man mein rotkariertes Kleid mit meinem fremden Akzent zusammen, wird mir das Konzept hinter der Frage klarer. Nein, nur aus der Schweiz. Die Antwort stellt sie zufrieden. Nicht aber den kleinen Bruder. Wach und spitzfindig, nur Riesenaugen im Mäusegesicht, übertrifft er sie noch. Er bittet mich, ihm doch meine Zunge zu zeigen. Die Zunge?????? - Ja, wer mit so andersartiger Zunge spricht, dessen Zunge muss doch sicher auch eine andere Form, ein anderes Format oder Aussehen haben!
Wer sich mit einer fremden Sprache und Kultur auseinandersetzt, kommt an einem kulturellen Austausch nicht vorbei, bei dem Lehrer und Lernender jeden Tag voneinander lernen, wenn sie gegenseitig ihre Bilder kritisch und historisch hinterfragen, denn Auländer war jeder schon mal. Interessanterweise lernt man im Kulturaustausch oft auch genauso viel über sein Heimatland wie über das Gastland. Das fremde Land spiegelt das eigene Land in neuen Winkeln und zeigt neue Perspektiven, die man so noch nicht gesehen hat.
Ibicaba – Das Paradies in den Köpfen
Das erste Buch ist eine Art Tatsachenroman, es behandelt ein Stück komplizierter Auswanderergeschichte, frei nacherzählt von Eveline Hasler und heißt - Ibicaba – das Paradies in den Köpfen -. Eine Auswanderergeschichte wie viele. Schweizer, die nach Brasilien kamen, um sich ein besseres Leben aufzubauen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Im Großraum von Campinas liegt Helvetia, in den Bergen über Rio Novo Fribourgo, beides, schon im Namen, Kolonien, die von Schweizern gegründet wurden.
Im 18. Und 19. Jahrhundert emigrierten rund 200’000 Schweizer nach Übersee. Noch heute lebt fast jeder 10. Schweizer im Ausland, oder in Zahlen: bei einer Bevölkerung von rund 7,5 Millionen Schweizern leben 650’000 Schweizer nicht in der Schweiz. Ibicaba, das Paradies in den Köpfen nimmt seinen Anfang, als die schweizer Schriftstellerin Eveline Hasler, spezialisiert auf historische, romancierte Biografien, auf die Aufzeichnungen des Lehrers Thomas Davatz aufmerksam wird. Unter dem Titel: - Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrücker - wurde es 1858 in Chur herausgegeben. Das selbe Buch wurde übrigens 1941 von Sérgio Buarque ins Portugiesisch übersetzt und hat den Titel: “Memórias de um colono no Brasil”.
Um die politische Dimension der Auswanderung zu verstehen, muss man zuerst das Wort “armengenössig” kennen. Jeder Schweizer hat einen Bürger- oder Heimatort. Dieser Bürgerort wird ererbt und es ist auch da, wo das Familienregister geführt wird. Wird dieser Schweizer nun ärmengenössig, das heißt er ist mittellos und kann sich nicht mehr für sich selber aufkommen, so ist seine Heimatgemeinde verpflichtet, ihn finanziell zu unterstützen. Eine kostspieleige Sache, die manche Gemeinden im 19. Jahrhundert auf die lukrative und simple Idee brachte, die Armut zu exportieren. Denn auch in der reichen Schweiz gab es damals, ich spreche von der Zeit zwischen 1850 - 1890 Favelas, Cortiços und unterernährte Kinder. Wohin die Armut exportiert wurde? In die Neue Welt natürlich. Wie gut, dass in Brasilien gerade die Sklaverei abgeschafft worden war, und man dringend Arme brauchte, die zulangen konnten. Sogenannte “gatos”, Vermittler organisierten die Reise und die Auswanderer wurde ein System, genannt Halbpacht, garantiert.
Und da tritt nun dieser Thomas Davatz auf, ein Lehrer, der mit 250 Schweizern nach Ibicaba, in der Nähe von Limeira auswanderte, wo der Senator Nicolau Pereira da Campos Vergueiro große Kaffeplantagen betrieb. Ein System, das allen beteiligten Parteien nur Vorteile bringen soll. Die Einwanderer unterschreiben einen Vertrag mit einer Kolonisationsfirma. Die Firma bezahlt die Kosten der Überfahrt Hamburg –Santos, und die Auswanderer begleichen dann in vier Jahren in kleinen Raten ihre Schulden, indem sie sie auf den Kaffeeplantagen abarbeiten. Thomas Davatz hatte als Lehrer den Auftrag, erhalten von verschiedenen schweizer Gemeinden und der Bündner Regierung, einen Bericht abzuliefern, ob sich Brasilien zum Auswandern eigne. Schließlich wurde es als ein Geschäft dargestellt, das für alle beteiligten Parteien nur Vorteile bringe. Für die armengenössigen Schweizer ein würdiges Auskommen in Ibicaba, das Ende allen Elends, und die Heimatgemeinde werde frei von unnützen Kostgängern.
Eveline Hasler verwebt gekonnt Belletristik mit historischen Tatsachenberichten. Sie lässt Familien aus dem ärmsten und unterentwickelsten Teil der Schweiz, aus dem Glarnerland auswandern, wo die Krise in der Textilindustrie das Land in Hunger und Armut stürzte. Dass sich das Paradies als Trugschluss enpuppt, dass das Paradies nur in den Köpfen stattfindet, die Realität um einiges härter, ist ja wahrscheindlich jedem, der ein wenig Geschichtsbewusstsein hat, klar. Die Auswanderungsagenten versprechen mögliches und unmögliches. Auf der anderen Seite die Auswanderer, die vielfach einfach keine Wahl haben. Die Grundidee des Halbpachtsystems ist, dass die Ernte zwischen den Arbeitern und den Großgrundbesitzern geteilt werden würde. Die Praxis sieht leider ziemlich anders aus. Da ist zuerst einmal die Sprachbarriere, denn der Vertrag
ist in Spanisch, Französisch und Deutsch abgefasst, die Übersetzungen aber nicht identisch und können so verschieden ausgelegt werden. Und so geht es mit vielen Kleinigkeiten weiter, auch weil sich hier alle Beteiligten ihren Teil am Gewinn abschneiden wollen.
Wie es weitergeht, weiß hier in Brasilien jeder, der die Novela “Terra Nostra” gesehen hat. Dass die Schweizer allerdings Ende 1856, Anfang 1857 den Aufstand proben und die Hefte und Berichte des Schullehrers zu diplomatischen Interventionen führten, wissen nur wenige. Denn Thomas Davatz berichtete, wie aufgefordert, in die Schweiz zurück, wo seine Erzählungen nicht immer auf Glauben stießen, aber zum Schluss sogar die Bundesregierung eingreift und Thomas Davatz als Konsequenz aus Brasilien fliehen muss. Gleichzeitig geht auch die Firma Vegueiro Konkurs.
Brasilien mit Brüchen
Ein noch farbigeres, exotischeres Brasilienbild, das zwischen Paradies und grüner Hölle schwebt, entwirft der Universitätsdozent für Deutsch an der Universität Berkeley, Jeroen Dewulf, der aus Belgien stammt, mit seinem Buch - Brasilien mit Brüchen - Schweizer unter dem Kreuz des Südens -. Ein Brasilienbild, das lange Zeit, vielleicht bis heute, zwischen Verteufelung und Verherrlichung hin und her schwankt, wie die Reiseberichte, literarische und wissenschaftliche Texte verraten. Eine Ambivalenz, die wir ja schon von Stefan Zweig und seinem Klassiker Brasilien – ein Land der Zukunft kennen -. Und, das wird mit der Analyse Dewulfs klar, oft auch erhellende Zeugnisse der schweizer Mentalität ablegen, und die Frage aufwerfen, wie und unter welchen Voraussetzungen über eine andere Kultur geschrieben werden kann. Jeroen Dewulf verfolgt die Spuren ganz unterschiedlicher Brasilienabenteurer, wie die des berner Dichter Dranmor, der 1843 nach Brasilien auswanderte, sich in Rio als erfolgreicher Geschäftsmann etablierte, wo er es sogar zum Generalkonsul für die österreichisch-ungarische Monarchie brachte. Insgesammt lebte er 44 Jahre in Brasilien, schrieb für eine deutsche Zeitung in Rio und genoss als Dichter um 1880 einer gewisse Berümtheit. Er kehrte im Alter, genauso wie der Reiherfedernjäger Walter Burkhart – übrigens der Vater der bekannten Schriftstellerin Erika Burkhart – arm in die Schweiz zurück. Eine Rückkehr, die für beide eher jämmerlich war. Besonders Burkhart verbringt seinen Lebensabend zwischen Jagdtrophäen aus Brasilien, von den weiten Ebenen und Wäldern, verlorenen Paradiesen träumend, und verfällt dabei dem Alkohol. Burkhart, ein richtiger Abenteurer, war unter anderem Goldsucher in Minas Gerais und erfolgreicher Reiherfedernjäger in den brasilianischen und argentinischen Pantanais. Er verbringt ingesammt 18 Jahre im geliebten Tropenparadies, kuriert allerdings verschiedene Tropenkrankheiten, wie Malaria und Gelbfieber, immer wieder auf längeren Europaaufenthalten aus. Magisch zieht es ihm immer wieder zurück, zum Schluss nur in Gedanken.
Wunderwelten
Dewulf, ein profunder Loetscherkenner, bringt uns zum letzten Autor, einer der ganz großen schweizer Schriftsteller. Dewulf zitiert Loetschers "Mulattisierung" in seiner Reflexion über eine globale Literaturwissenschaft mit dem Titel - Als Frau Sprache feststellte, dass sie keine Wurzeln, sondern Füβe hatte -. Moritz Leuenberger, einer der Schweizer Bundesräte, hat Loetscher als sozusagen interdisziplinäres Gesammtkunstwerk bezeichnet, das immerwährend hin und her Grenzen überschreitet, ein richtiger Kosmopolit und außerdem ein profunder Kenner der portugiesischen Sprache und Literatur. Hugo Loetscher ist 1929 in Zürich geboren, wo er heute noch lebt. Als junger Mann verbrachte er Monate in Portugal, noch zu Zeiten der Diktatur Salazar. Er beteiligt sich an einem polemischen, schlussendlich nicht ausgestrahlten Film, der ein negatives Portrait des Diktators zeichnet und wird damit in Portugal zur Persona non grata erklärt. Was liegt da also näher, als seine tiefgreifenden Portugiesischkenntnisse auf Brasilien anzuwenden! Und so wird Hugo Loetscher ein Brasilienkenner per Excellence. Brasilien taucht sowohl in seinen journalistischen wie auch in seinem literarischen Schaffen immer wieder auf, z. B. in den Werken - Der Immune - und - Die Augen des Mandarins -. Aber es ist in – Wunderwelten - eine brasilianische Begegnung - wo er im tiefsten Sertão die kleine Fátima trifft, tot, schon im Sarg, schießt ein namenloser Fotograf ein letztes Bild von ihr. Fátima, die er nicht mehr die Gelegenheit hatte kennenzulernen, begleitet ihn durchs ganze Buch. Er ist ein namenloser Fremder, den es durch irgendwelche Umstände in den gesichtslosen Sertão des brasilianischen Nordosten verschlagen hat. Gebannt und bis ins letzte Detail beschreibt er nicht nur die Szene, wie die tote Fátima in einem letzten Bild aufs Papier gebannt wird. Der Titel - Wunderwelten - ist durchaus ironisch, zweideutig zu verstehen. Er schließt das immer wieder versprochene brasilianische Wirtschaftswunder ebenso ein wie die Pater Cicero zugeschriebenen Wunder. Erstaunen und Respekt mischen sich unter die Sozialkritik, dem Blick des Fremden entgeht kein Detail, weder in der schäbigen Pension am Anfang des Buches, noch im Bordell, wo er Fátima, schon erwachsen, wieder trifft.
Hugo Loetscher ist ein Grenzgänger. – Wunderwelten - , 1979 erschienen, kompaktiert auf seinen Seiten ein reiches Panorama brasilianischer Kultur, lokaler Gegebenheiten und schont auch den politischen Moment nicht, ohne aber auf die Selbstreflektion, die ein guter Erzähler haben muss, und in der Lötscher Meister ist, zu verzichten. Denn wer einmal fremd in der Fremde war, kommt als ein anderer zurück. Hugo Loetscher ist übrigens auch für den wunderschönen Bildband - Brasilien – Entdeckung und Selbstentdeckung - 1992 zu den Junifestwochen herausgegeben, verantwortlich. Sein Text - Das Haus des Bahianers - über den Künstler Emanoel Araújo zeigt alle seine Faszination für Brasilien, die Rassenmischung, die ihn beeindruckt, Bahia, den Mann, Künstler, Mulatten, und nicht zuletzt dessen überreiche Privatsammlung. Eine Sammlung, die wahrscheinlich den Grundstock des später eröffneten Museo Afrobrasileiro gebildet hat.
Aus dem Innern des Riesen
Kultur und Kulturschock und seine nicht immer schmerzlose Verarbeitung sind auch Themas des Buches - Aus dem Innern des Riesen – von Susanne Gerber-Barata. Der Versuch einer Bewältigung, denn darüber zu schreiben, scheint den Schock erträglicher zu machen, jedenfalls im Fall der Autorin, die spät, schon mit 40ig nach Brasilien kam, nach Campinas. Das Buch besteht aus Auszeichnungen, losen, alltäglichen Geschichten, die sich zu einer Art Reisetagebuch zusammenfinden, oder wie die Reihe des Verlages heißt: - Abenteuer Alltag -, unspektakuläres, banales Leben und die Reflexion darüber, aufnotiert für die Zurückgelassenen und alle anderen Interessierten, Texte, die perfekt ins Konzept des deutschen Verlages passten.
Als Abschluss eine Kostprobe. Das Foto dazu wurde viel später geschossen.
- Esterco - zu verkaufen

Auf dem hölzernen Schild am Straßenrand steht in ungelenken Buchstaben:
- Vende-se Esterco - . Ich fahre jeden Tag daran vorbei.
- Esterco -.
- Esterco? - Tag für Tag die selbe Neugier. - Esterco – war für wunderbare Dinge könnten sich hinter diesem kleinen Wort verstecken!
- Esterco? – Was es wohl bedeuten mag? Heute, ich schwöre es, werde ich im Wörterbuch nachschlagen. Aber wie es so geht, entweder fehlt die Zeit oder die Neugierde ist nicht groß genug - das Vorhaben wird immer wieder aufgeschoben.
- Esterco – fahrend spreche ich das Wort mit verschiedenen Aussprachen und Akzenten aus. Ich spiele, wechsle den Akzent – estêrco – ésterco - estercó. Nein, die Neugier bleibt. – Einfach anhalten und fragen? Nie reicht die Zeit und irgendwie bin ich auch etwas gehemmt. Was ist, wenn ich nun das Produkt gar nicht kaufen möchte?
Hinter dem Schild eine kleine Barracke. Man kann Hühner sehen und weidendes Vieh. Was ums Himmels Willen könnte jemand am Straßenrand kaufen wollen? Meine Vermutungen schließen Käse, wie Früchte, Marmelade, Saft oder Pflanzenschösslinge ein.
Die Auflösung kommt ganz unerwartet an dem Tag, an dem mein Mann mich fragt - Wolltest du nicht noch Gartenerde kaufen, Kompost, Dünger für den Garten? Hier gibt es - esterco - Mist zu kaufen. Das gibt einen ausgezeichneten Dünger! -
Gott beschütze die Unschuldigen, deren Sicht der Welt so romantisch ist!
Geschichten aus dem Innern des Riesen, die sich gut für den Deutschunterricht eignen:
- Sohn einer Stute - über das Fluchen
- Papo furado – Unterhaltung, aus dem Fenster geworfen
- Wie die Zeit vergeht oder Pato furado
- Verdammter Akzent
-
Weitere Texte, auch Gedichte zum Thema auf dem zweisprachigen Deutsch/Portugiesischen Blog:
- Konzepte -
- Der Hügel des Deutschen –
Alle Texte urheberrechtlich geschützt
Vorgestelle Bücher:
- Eveline Hasler Ibicaba, das Paradies in den Köpfen ISBN 978-3-423-10891-1
Verlag dtv
- Jeroen Dewulf Brasilien mit Brüchen ISBN 3038233498
Schweizer unter dem Kreuz des Südens
Verlag NZZ
- Hugo Loetschers Wunderwelten – eine brasilianische Begegnung
ISBN 978-3-257-21040-8 Brasilien Entdeckung und Selbstentdeckung
Verlag Diogenes
- Susanne Gerber-Barata Aus dem Innern Brasiliens Abenteuer Alltag Brasilien
ISBN 978-3-9811327-1-7
Verlag Dryas
Ebook Version Link Homepage Dryas oder bei www.mobipocket.com.
Zum Lesen Program "Mobipocket Reader" nötig, kostenlos bei Webseite
www.mobipocket.com
Susanne Gerber-Barata
Blog: Susanne Gerber-Barata: Brasil-Brasilien.dryas.de
E-Mail: susangb@hotmail.com
Bibliografie und Quellen
Fotos: Susanne Gerber-Barata
Links:
http://www.swissworld.org/de/bevoelkerung/auslandschweizer/
http://www.mindspring.com/~philipp/emigra~1.txt
http://www.scielo.br/scielo.php?pid=S0102-01882003000100007&script=sci_arttext
http://www.limmatverlag.ch/Default.htm?/gesch/cunha.paradies.htm
http://www.dichistoriasaude.coc.fiocruz.br/iah/P/verbetes/goeld.htm
http://ler.letras.up.pt/uploads/ficheiros/4568.pdf
http://www.culturactif.ch/ecrivains/loetscher.htm
http://www.perlentaucher.de/buch/29007.html
http://muse.jhu.edu/journals/monatshefte/v099/99.1dewulf.html http://www.inst.at/trans/13Nr/dewulf13.htm

