Früh übt sich, wer ein Meister werden will

1. Das Colégio Humboldt
Das Colégio Humboldt wurde vor über 90 Jahren von deutschen Immigranten gegründet und versteht sich heute als Begegnungsschule zwischen der deutschen und brasilianischen Kultur. Die Schule liegt im Süden der Stadt São Paulo und wird von ca. 1.400 Schülern besucht. Es gibt einen deutschsprachigen Zweig mit jeweils einer Klasse und einen brasilianischen Zweig mit jeweils zwei oder drei Klassen. Unsere Schüler treten mit drei Jahren in den Kindergarten I ein und durchlaufen die Schule bis zur Oberstufe, d.h. bis zum 3.Colegial im brasilianischen Zweig  bzw. dem Abitur im deutschen Zweig. Auβerdem gehört auch die Berufsschule IFPA, die nach dem deutschen dualen System arbeitet, zu unserer Bildungseinrichtung.

2. Die Ziele des DaF-Unterrichts in Kindergarten/ 1. Schuljahr
Die Kinder im Kindergarten I haben eine Wochenstunde DaF-Unterricht von jeweils 45 Minuten und die Kinder in Kindergarten II sowie im 1. Schuljahr bereits drei Wochenstunden. Dabei geht es vor allem darum, dass die Kinder einen ersten Kontakt zur deutschen Sprache erhalten, das bedeutet konkret, dass sie sich schrittweise Wortschatz und Strukturen aneignen bzw. mit der Landeskunde der deutschsprachigen Länder vertraut gemacht werden.
Unser Bestreben ist es dabei, den Kindern die deutsche Sprache spielerisch und ihrem Alter angemessen zu vermitteln. Die fremde Sprache soll vor allem Spaβ machen, damit die Kinder ein positives Verhältnis zu ihr aufbauen und motiviert sind, diese zu erlernen. Den Schülern wird die Möglichkeit gegeben, mit all ihren Sinnen in den Lernprozess einzutauchen und aktiv am Unterricht teilzunehmen.
Da die Schüler im Kindergarten und 1. Schuljahr das Lesen und Schreiben in der Muttersprache erlernen, liegt der Schwerpunkt im Deutschunterricht auf den Fertigkeiten Hören und Sprechen. Dafür ist es wichtig, den Kindern von Anfang an ganze und korrekte Sätze als Sprachmodelle anzubieten sowie alles Handeln im Unterricht als Sprechanlass bzw. Grund zur Wiederholung zu nutzen.

3. Kindergarten I
A. Charakterisierung des Alters
Im Kindergarten I sind die Kinder 3 bis 4 Jahre alt. Charakteristisch für ihre Entwicklungsphase ist, dass sich Begriffe wie beispielsweise Farben und Zahlen erst entwickeln. Der Wortschatz in der Muttersprache ist noch begrenzt. Je nachdem, ob die Kinder vorher bereits in einer Kinderkrippe waren oder nicht, sind sie noch sehr auf sich selbst konzentriert und das Teilen bzw. gemeinsame Spielen fällt ihnen schwer. Unter anderem deshalb brauchen die Kinder noch sehr viel Zuwendung. Sie sind noch starke Gefühlswesen: Sie weinen, wenn sich die Freundin im Sitzkreis nicht neben sie setzt, sie strömen über vor Glück, wenn sie dem Lehrer ihre neuen Turnschuhe mit blickenden Lichtern zeigen oder schäumen vor Wut, wenn sie mit einer Spielregel nicht einverstanden sind.
Weiterhin ist kennzeichnend, dass die Kinder eine sehr kurze Konzentrationsphase haben, etwa 5 bis max. 10 Minuten. Insgesamt arbeiten sie sehr körperbetont und brauchen viel Bewegung. Ebenso wie sich Begriffe und Wortschatz in der Muttersprache herausbilden, befindet sich auch die Feinmotorik, d.h. Umgang mit Stift, Pinsel, Schere und Kleber noch in der Entwicklung. Von Kind zu Kind sind enorme Unterschiede zu beobachten.
Auβerdem darf jeweils nur eine klare Arbeitsanweisung gegeben werden, damit die Kinder in der Lage sind, diese zu erfüllen.

B. Welche Konsequenzen ergeben sich nun daraus für den Sprachunterricht?
Die Muttersprache ist die inhaltliche Grenze für den Deutschunterricht (z.B. Zahlen zunächst nur bis 6 = Würfel, später bis 10 = Anzahl der Finger). Besonders zu Beginn des Schuljahres ist die Muttersprache immer wieder notwendig, um den Kindern Zuwendung zu geben, bei Konflikten zu vermitteln oder mit der Gruppe Regeln zu besprechen. Eine Unterrichtsstunde muss so aufgebaut sein, dass sie den Bewegungsdrang der Kinder berücksichtigt sowie stets nach kurzen Konzentrationsphasen Abwechslung bietet.
Eine  enge Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern ist in Bezug auf Themenwahl und den Entwicklungsstand der Feinmotorik notwendig. Beispielsweise kann der Vers „Der Kopf ist rund, der Kopf ist rund. Er hat zwei Augen, Ohren, Nas´und Mund.“ genutzt werden, um mit den Kindern die Kopfform und die entsprechende Stiftführung einzuüben und damit den Klassenlehrern Zuarbeit zu leisten. An der Tafel oder beim Zeichnen in der Luft kann die Kreisbewegung wiederholt werden.
Insgesamt muss man akzeptieren, dass die Kinder lange Zeit die Sprache passiv aufnehmen, bevor sie beginnen aktiv zu sprechen. Wenn sie mit dem Sprechen beginnen, handelt es sich dabei zunächst vor allem um Lieder und Redewendungen, die sich häufig wiederholen oder um Wörter, die für sie persönlich von besonderer Bedeutung sind, z.B. die Lieblingsfarbe „blau“ oder das Haustier „Hund“.

C. Konkrete Beispiele aus der Praxis

Unser Unterricht ist geprägt von Ritualen, damit sich die Kinder in der Anwesenheit der Lehrerin, die in einer fremden Sprache mit ihnen spricht, sicher fühlen. Fast nebenbei werden dabei immer wieder die selben Vokabeln und Strukturen wiederholt. Unser Begrüβungslied „Guten Morgen, ruft die Sonne. Guten Morgen, ruft der Wind. Guten Morgen, ruft der Vogel. Guten Morgen, ruft das Kind.“ sorgt dafür, dass jedes Kind diese Wörter früher oder später nicht nur passiv versteht, sondern auch aktiv beherrscht. Die Kinder wissen schon, dass der Unterricht im Sitzkreis beginnt, dass wir gemeinsam unser „Guten Morgen“-Lied singen und dann die Fingerpuppe Kroki jedes einzelne Kind begrüβt.


Die Fingerpuppe Kroki ist der Assistent der Lehrerin. Er ist es, der den Kindern die Neuigkeiten vorstellt. Auβerdem bildet er das affektive Element des Unterrichts. Wenn Kroki jedes einzelne Kind mit seinem Namen und „Guten Morgen“ begrüβt, antworten die Kinder ihm laut, deutlich und hocherfreut. Oftmals streicheln sie die Fingerpuppe auch vorsichtig und amüsieren sich dabei köstlich.
So wie der Unterricht mit einem Ritual beginnt, endet er auch mit einem. Wir wünschen uns gegenseitig „Auf Wiedersehen“. Dabei heben alle die Arme in die Luft und lassen sie langsam auf den Boden zappeln. Dabei wird im Chor „Auf Wiedersehen“ wiederholt. Allerdings sprechen wir immer leiser bis wir schlieβlich nur noch den Mund bewegen. Wenn die Arme wieder in die Luft zappeln, sprechen wir lauter, bis schlieβlich ein kräftiges „Auf Wiedersehen“ den Unterricht tatsächlich beendet.
Während Rituale und Wiederholungen den Unterricht einerseits strukturieren, sorgen Neuigkeiten immer wieder für Spannung, Überraschung und Spaβ. Beispielsweise wurde das Thema Lebensmittel in der Weise eingeführt, dass ein Apfel in einer goldenen Tüte versteckt war und durch den Kreis gegeben wurde, damit jedes Kind das Objekt befühlen und erraten konnte.

Der Sprechgesang „Teddybär, Teddybär, dreh dich um. Teddybär, Teddybär, mach dich krumm. Teddybär, Teddybär, heb´ein Bein. Teddybär, Teddybär, das ist fein!“ Ist bestens geeignet, um die Ziele des DaF-Unterrichts in diesem Alter zu verwirklichen. Erstens unterstützt die Bewegung das Erlernen des Wortschatzes und befriedigt den Bewegungsdrang der Kinder. Zweitens wird der Gesang immer wiederholt, da jeweils ein anders Kind den Teddybär hält und in der Mitte des Kreise steht. Dabei kann der Sprechgesang in Lautstärke und Stimmlage variiert werden. Drittens spricht es die Kinder emotionell an, das sie viel Spaβ beim Bewegen und beim Sprechen haben. Auch dadurch wird das Erlernen des Wortschatzes unterstützt.

4. Kindergarten II
A. Charakterisierung des Alters
Im  Kindergarten II sind die Kinder 4 bis 5 Jahre alt. In diesem Alter ist der Wortschatz in der Muttersprache schon sehr viel reicher  und die Kinder gehen sicher mit bekannten Begriffen um.
Den Kindern gelingt es, sich in eine Gruppe einzuordnen und gemeinsam zu spielen. Ihre Konflikte lösen die Kinder bereits sehr viel selbstständiger.
Kennzeichnend für dieses Alter ist, dass die Kinder Geschichten lieben, eine rege Phantasie haben und sich entsprechend gern verkleiden und ohne Probleme in die verschiedensten Rollen schlüpfen können.

B. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Sprachunterricht?
Da die Schüler mit dem Alltag im Kindergarten vertraut sind und bereits über Vorkenntnisse in der deutschen Sprache verfügen, ist es möglich, sehr viel stärker inhaltlich zu arbeiten und neue Themen mit entsprechendem Wortschatz und Struktur einzuführen. Dies gelingt durch das Erzählen und Vorlesen von Geschichten bzw. durch Lieder und Reime, die Geschichten erzählen.

C. Beispielhafte Anwendung in einem Projekt: Eine Reise nach Deutschland
Die „Reise nach Deutschland“ bildet den Abschluss der Stoffeinheit Landeskunde, die nach den ersten Wochen des Wiederholens und Kennenlernens durchgeführt wird. Sie dauert ungefähr einen Monat.
In Vorbereitung auf die Reise lernen die Kinder Deutschland anhand von Landkarten, Fotos sowie Bildern kennen, wobei Brasilien immer wieder als Referenz und Ausgangspunkt für Vergleiche benutzt wird. In diesem Zusammenhang stellen die Schüler fest, dass mögliche Transportmittel für eine Reise von Brasilien nach Deutschland das Schiff oder das Flugzeug sein können, wobei sich jedes Transportmittel unterschiedlich schnell fortbewegt und sich die Reisedauer entsprechend unterscheidet. Diese Überlegungen bieten sich für die Wiederholung der Zahlen an.
Ein wichtiger Bestandteil der Stoffeinheit ist das Lied: „Ich fliege mit dem Flugzeug“, das die Schüler beherrschen müssen, bevor die Reise losgehen kann. Dadurch wird eine Erwartungshaltung bei den Kindern aufgebaut.

 

Die Reise selbst ist Fotos dokumentiert, die nachfolgend kommentiert werden:  

Zur Orientierung - Landkarten und Bilder helfen den Kindern eine Vorstellung davon zu bekommen, wo Deutschland im Verhältnis zu Brasilien liegt und überlegen, wie man dorthin reisen könnte.

Koffer packen – In Vorbereitung auf die Reise packen die Kinder den Koffer. Jedes Kind sagt in der Muttersprache, was es auf eine Reise mitnehmen würde. Die Lehrerin übersetzt ins Deutsche. Dazwischen wird immer wieder das Lied „Ich fliege mit dem Flugzeug/ Ich fahre mit dem Schiff“ gesungen.

Auf dem Weg zum Flughafen – Mit gepacktem Koffer geht es nun zum Flughafen, um ein Flugticket nach Deutschland zu kaufen. Auf dem weiträumigen Schulgelände können die Kinder ihrer Phantasie freien Lauf lassen.

„Wir fliegen mit dem Flugzeug...“Der riesige Baumstamm auf dem Spielplatz dient uns dabei als Flugzeug.
In Deutschland angekommen, steigen wir aus und begrüβen die Passanten mit einem freudigen „Guten Morgen.“ Die Landkarte gibt jeweils an, in welche Richtung das Flugzeug fliegt. Auf dem Foto befinden sich die Kinder bereits auf dem Rückflug nach Brasilien.

Das Klettergerüst ist unser Schiff – In der nächsten Unterrichtsstunde treten die Kinder ihre Reise nach Deutschland mit dem Schiff an. Sie erleben, dass die Reise sehr viel länger dauert, denn sie müssen 12 Nächte auf dem Schiff schlafen. Es ist faszinierend, mit welcher Ernsthaftigkeit die Kinder in die Rolle der Passagiere schlüpfen.

Das Gruppenspiel zu unserer Reise – Ein groβes, buntes Bild von einem Flugzeug und einem Schiff sowie das Foto eines jeden Kindes ist mit einem Klettverschluss  versehen. In jeder Spielrunde können die Kinder entscheiden, mit welchem Verkehrsmittel sie reisen möchten. Dieses Spiel nehmen die Kinder jeweils einen Tag mit nach Hause, um es mit Eltern und Geschwistern zu spielen.

                                                                                                                                             
5. Das 1. Schuljahr
A. Charakterisierung des Alters
Die Kinder im ersten Schuljahr sind 5 bis 6 Jahre alt und in unserer Schule räumlich noch dem Kindergarten zugeordnet.
In diesem Alter sind die Kinder bereits fähig zu abstrahieren und können sich über einen längeren Zeitraum, teilweise sogar bis zu einer halben Stunde konzentrieren. Die Kinder verstehen Spielregeln und respektieren diese. Gern lassen sie sich immer wieder auf neue Spielangebote ein. Auβerdem wird für sie alles zu einem konstruktiven Wettbewerb, d.h. sie haben groβe Freude an Spielen, bei denen sie zeigen können, dass sie beispielsweise den neuen Wortschatz bereits beherrschen und damit mehr Punkte als die Lehrerin oder die Parallelklasse gewinnen können.
Im Allgemeinen sind die Kinder bereits sehr selbstständig und holen z.B. die benötigten Arbeitsmaterialien, arbeiten schnell, können sich sowohl mit einem Partner als auch in der Gruppe beschäftigen und ihre Konflikte gröβtenteils gemeinsam lösen.

B. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Sprachunterricht?
Es ist bereits möglich, den Unterricht inhaltlich recht effektiv durchzuführen und die Muttersprache immer weniger zu benutzen, da man die Kinder zunehmend nur noch auf Deutsch anspricht. Es bereitet den Kindern Spaβ, erlernte Strukturen wie „Ich bin fertig“ aktiv anzuwenden. Auch das Nachsprechen von komplexeren Sätzen wie z.B. „Möchtest du auf die Toilette?“ motiviert sie und erfüllt sie bei Gelingen mit sehr viel Stolz.
Die wesentlich längeren Konzentrationsphasen ermöglichen das Erzählen von längeren Geschichten sowie das Angebot von komplexeren Spielen und Sprachübungen.

C. Beispielhafte Anwendung in einem Projekt: Ein Spaziergang in der Schulumgebung

Der „Spaziergang in der Schulumgebung“ findet etwa in der Mitte der Stoffeinheit statt, die sich mit Verkehr/ Transportmitteln sowie Wohnen beschäftigt und ist für die Kinder der Höhepunkt. Die gesamte Stoffeinheit dauert etwa zweieinhalb Monate.
Nachdem Wortschatz und Satzstrukturen zu den genannten Themen durch Lieder, Spiele, Reime und Nachforschungen in der Bibliothek erworben wurden, bereiten wir den Spaziergang vor. Ein wichtiges Element für den Spaziergang sind die beiden Regeln, die für die Kinder gelten:
a. Wir sprechen deutsch.
b. Wir halten die Verkehrsregeln ein.
Auf unserem Spaziergang gibt es für die Kinder viel zu entdecken und zu beobachten, z.B.  verschiedene Verkehrsmittel und Häuser (z.B. Wohnhäuser, Geschäfte, Firmen), Haupt- und Nebenstraβe, Verkehrsschilder, Bushaltestelle, Hunde, Katzen, Leute... Da die Schüler so viele verschiedene Dinge beobachten können, sind sie hoch motiviert, den gelernten Wortschatz anzuwenden. Das erfüllt sie mit groβem Stolz. Für die Kinder ist auβerdem von besonderer Bedeutung, dass sie als Fuβgänger und als Gruppe in der Megacity São Paulo unterwegs sein können.
Die Fotos, die während des Spazierganges entstanden sind, bilden die Grundlage für die letzte Phase der Stoffeinheit, in der jede Gruppe mit ihren Fotos ihr Spiel bastelt.
Die Merkmale dieses Spieles sind, dass es feste Spielregeln gibt, die von jedem eingehalten werden müssen. Das Spiel wird stets von der Gruppe zusammengespielt und hat das Ziel, einerseits den Wortschatz zu wiederholen und zu festigen, zum anderen den Spaziergang noch einmal neu zu erleben, denn die Kinder entdecken sich und die besuchten Orte auf den Fotos wieder.

6. Überblick über verschiedene Arbeitsweisen
A. Themenwahl/ Zusammenarbeit mit dem Klassenlehrer
Wir haben uns für kindgerechte Themen wie Zahlen, Farben, Körperteile, Familie, Essen und Trinken etc. entschieden, wobei die Behandlung derselben flexibel erfolgen kann. Wenn es sich anbietet, Themen aus dem DaF-Unterricht mit dem Unterricht in der Muttersprache zu verbinden, ist dies sinnvoll, da der Wortschatz für die Kinder damit an Bedeutung gewinnt. Als Beispiel ist hier die Geschichte von der „Kleinen Raupe Nimmersatt“ anzuführen, mit der das Thema Essen und Trinken im DaF-Unterricht genau dann eingeführt wird, wenn die Kinder auf dem Spielplatz viele Raupen finden und dieses Thema ausführlich mit der Klassenlehrerin bearbeiten. Auch Schulprojekte wie die Fuβballweltmeisterschaft oder der 90jährige Geburtstag der Schule konnten auf diese Weise in den DaF-Unterricht eingebunden werden.
Die Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern ist auch deshalb sehr wichtig, da sie helfen, durch Anweisungen wie „Händewaschen“, „Reinkommen“ oder „Aufräumen“ sowie die Begrüβung und Verabschiedung etc. die deutsche Sprache über den Unterricht hinaus in den Alltag der Kinder zu integrieren.

B. Brücke zwischen Familie und Schule
Auch im Fall des Fremdsprachenlernens ist die  Brücke zwischen Familie und Schule von besonderer Bedeutung, da es für die Kinder in diesem Alter wichtig ist, das Interesse und die Wertschätzung ihrer Eltern zu bemerken. Sie sind sehr motiviert und stolz, wenn sie die erworbenen Kenntnisse als kleine Lehrer zu Hause vermitteln können. Beispielsweise nehmen die Kinder ihr selbst gestaltetes Lieder- und Vokabelheft regelmäβig mit nach Hause. Auβerdem verfügt jede Klassenbibliothek über einige deutsche Kinderbücher mit CD, die von deutsch sprechenden Kollegen der Schule vorgelesen und aufgenommen wurden. Sowohl diese als auch im Unterricht gebastelte Gemeinschaftsspiele bzw. Gemeinschaftsbücher können die Kinder mit nach Hause nehmen.

C. Feste feiern


Die traditionellen Feste wie Geburtstag, Ostern oder Weihnachten werden als Anlass genommen, um die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder hier in Brasilien zu thematisieren. Vergleichend werden dann die Traditionen in Deutschland vorgestellt und nach Wegen gesucht, wie diese für die Kinder erlebbar gemacht werden können. Zu Ostern werden beispielsweise in Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern Ostereier bemalt und gesucht, traditionelle Eierspiele durchgeführt und Osterhasen gebacken.
Insgesamt bemühen wir uns, dass die deutsche Sprache und Kultur bei allen Feierlichkeiten integriert ist, so z.B. mit Liedern und Spielen bei Mutter- und Vatertag, beim Laternenumzug oder Liedern beim Junifest sowie selbstverständlich zu Weihnachten mit Liedern und Bäckerei. 

Bibliographie
- Jeitner, B. (Hrsg.): Das groβe Ravensburger Buch der Kinderbeschäftigungen, Ravensburg 1976
- Pusch-Saito, R., Sparovek Oriente, T.: Plano de Ensino de Língua Alemã do Colégio Humboldt, São Paulo 2008
- Di Bernardo, Eva Hammes: “Sprache in der frühen Kindheit: Erwerb, Zweitsprache, Fördermöglichkeiten“ – Minikurs 
am Colégio Porto Seguro/ São Paulo
- Schneider, Günther: Daf-Programm für Vierjährige, Buenos Aires 1988
- Schneider, Günther: Daf-Programm für Fünfjährige, Buenos Aires 1989
- Cros, Rotraud : 10 kleine Zappelmänner - Deutsch als Fremdsprache für Vor- und Grundschulkinder, Klett-Verlag    1995

DaF-Lehrerin, Roswitha Pusch-Saito, Rosi.Pusch@gmx.de
DaF-Lehrerin, Thea Sparovek Oriente, orientethea@terra.com.br
Zusammenfassung: Unter Berücksichtigung der Entwicklungsphasen der Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren sowie der Reflexion über die jeweiligen Konsequenzen für den Sprachunterricht stellt der Beitrag Arbeitsbeispiele aus der Unterrichtspraxis am Colégio Humboldt/ São Paulo vor.
Stichwörter: Sprachunterricht, Zielgruppe  Drei- bis Sechsjährige, selbst hergestelltes Material, Projekte, Landeskunde