Hot Potatoes und Wiki im Moodle
Paulo OLIVEIRA, Dr.
(CEL/Unicamp)
olivp@unicamp.br
Zusammenfassung:1 Regelmäßige Aufgaben sind ein wichtiges Instrument zur Bildung einer Lernroutine, die zur Verstärkung des Lernprozesses und letzten Endes auch zur Förderung der Lernerautonomie viel beitragen kann. Im Kurzreferat wird die Verwendung und Integration von elektronischen Übungen im Format Hot Potatoes und die Anwendung von Wikis in der Lernumgebung Moodle beschrieben, sowie deren Integration in der automatischen Notenkalkulation dieser Lernplattform beschrieben.
Stichwörter: Lernroutine; Moodle; Hot Potatoes; Wiki; Bewertung
- Hot Potatoes unter Moodle
Zum Hot Potatoes sei zuerst vermerkt, dass man damit allerlei Übungen machen kann, von den klassischen geschlossenen Formen wie multiple choice, Zuordnungs- und close Übungen bis zu offenen Schreibaufgaben. Für den Einsatz im Moodle werden die geschlossenen Formen bevorzugt, denn diese ermöglichen die Selbstkorrektur durch das System und bieten auch viele Varianten der Interaktion des Lerners mit den Aufgaben. Hinzu kommt, dass man verschiedene Medien integrieren kann. Als Beispiel nehme ich eine Aufgabe zu den Modalpartikeln auf der Grundlage einer klassischen Loriot Szene, die im Internet als Video abrufbar ist.
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Bild 1 |
Oben im Bild ist die Moodle Programmleiste zu sehen, mit den Kursinformationen und dem Ort, wo man sich gerade befindet. Darunter, vor dem grauen Hintergrund, sieht man die eingebaute HP-Aufgabe. Unter den Angaben ist die Anfangsszene mit dem Startknopf von MyVideo, wie man es auch aus anderen Multimedia Sites wie YouTube kennt. Auf der linken Seite sieht man den Begleittext von Hot Potatoes, rechts stehen die Aufgaben im multiple choice Format. Im Aufgabenteil ist rechts oben zu sehen, dass man die Fragen einzeln oder als Liste zeigen lassen kann. Beim Anklicken auf die Antworten kann das System unterschiedlich reagieren. Im normalen Fall wird bei einem Fehler eine Rückmeldung gegeben und der Lerner dazu aufgefördert, einen weiteren Versuch zu machen. Bei jedem neuen Versuch wird die Note etwas kleiner, bis der Lerner es dann richtig hat. Diese Einstellung hat formativen Charakter, denn es kommt nicht nur auf das Testen, sondern auch sehr stark auf das Lernen an. Die zweite Alternative wäre, keine Möglichkeit der Wiederholung anzubieten und gleich zur nächsten Frage zu leiten. Damit hätten wir dann eine Aufgabe mit sehr klarem evaluativem Charakter, wie sie in Tests und Prüfungen üblich sind. Bei den regelmäßigen Aufgaben im Kurs wird der Akzent verstärkt auf den formativen Charakter gesetzt, weswegen Hot Potatoes sich dann als ein sehr guter Partner erweist, denn dieses ist eine seiner Stärken. Dazu kommen die Einstellungen vom Moodle selbst, die verschiene Formen de Noteberechnung anbietet. Das nächste Bild zeigt den oberen Teil eines Bildschirms mit den möglichen Konfigurationen im HP Modul.
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Bild 2 |
An den Anweisungen auf der linken Seite lässt sich erkennen, wie leicht und intuitiv die Wahl der verschiedenen Einstellungen ist. Neben den einzelnen Optionen gibt es oft kurze Hilfstexte, für längere Erläuterungen wird man auf die online Dokumentation hingewiesen (siehe Link unter Bild 3). Wichtige Einstellungen sind u.a. die zur Verkettung verschiedener Aufgaben (das System leitet automatisch zur nächsten Übung und speichert die Ergebnisse in seine interne Datenbank), die Option zur Rückmeldung der Lernenden and die Lehrperson und die Standardisierung mancher Einstellung innerhalb der Kette, sowie die Termine zum automatischen Öffnen und Schließen der Aufgabe.
Die weitere Optionen im Bild 3 sind zugleich einsichtig und sehr wertvoll, was die damit geöffneten Möglichkeiten der didaktischen Variation betrifft. Außer der oben erwähnten Variationen zur Notenberechung kann man auch die Aufgabe z.B. nur einmal machen lassen oder beliebige Wiederholungen erlauben. Wichtiger ist noch, dass man seine Meinung ändern und diese Einstellungen dem Kurs anpassen kann, wenn die anfängliche Wahl sich als verfehlt erweist. Ähnliches gilt für die HP Übungen selbst: Sollte darin ein Fehler entdeckt werden, kann man einfach die entsprechende Datei außerhalb vom Moodle ändern und wieder hoch laden, ohne jeglichen Einfluss auf die sonstigen Kurseinstellungen.
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Bild 3 |
Dazu kann man die Lernenden auch in Gruppen oder einzeln arbeiten lassen, die Aufgabe mit einem Kennwort schützen oder sogar nur über bestimmte Computer zugänglich machen (was für Prüfungssituationen nützlich ist). Im folgenden Beispiel (Bild 4, weiter unten) lässt sich die Wichtigkeit der Anbindung der Aufgaben ans Notensystem sehr deutlich zeigen. Man merkt, dass bei benoteten Aufgaben die Versuche der Lernenden deutlich häufiger als bei den freien, nicht bewerteten Übungen sind, wobei auch hier ein klares Interesse an einem Zusatzangebot seitens einer kleineren Lernergruppe zu spüren ist. Im Idealfall sind die Aufgaben zeitlich auch so programmiert, dass die Lernenden wirklich sehr regelmäßig arbeiten. Bei Blaue Blume gibt es in der Regel ein Pensum von etwa anderthalb bis zwei Wochen für eine Einheit im Lehrwerk, was bedeutet, dass die Zyklen mit den verschiedenen Arbeitsformen auch diesem Rhythmus folgen. Im obigen Beispiel ist die Zeitspanne zwischen zwei HP Terminen länger, was damit zu tun hat, dass zwischen den zwei auf einander folgenden Einheiten im Buch auch Kursaktivitäten angeboten wurden, die dem Lehrwerk nicht angebundenen sind.
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Bild 4 |
Kollektives Schreiben im Wiki
Die Palette der möglichen Abgabeformen schriftlicher Arbeiten im Moodle ist relativ breit. Wie im Bild 5 weiter unten zu sehen ist, kann man eine oder mehrere Dateien hoch laden, direkt online schreiben oder auch im Wiki mitarbeiten, unter anderen Alternativen mit verschiedenen Zielsetzungen. Links im Bildschirm sieht man die Grundstruktur des Kurses im Moodle: Zu jeder Einheit im Lehrwerk ist ein Kommentar zum Selbststudium vorgesehen (Vorbereitung des Präsenzunterrichts); danach kommen Links zur Systematisierung des Wortschatzes im offenen Site WordChamp; dann kommt die kollektive Schreibarbeit im Wiki, darauf die HP Aufgaben und zum Schluss Links zur weiteren Arbeit. Im Wiki-Teil gibt es zuerst die Anleitungen der Aufgabe, dann ein Kommentar aller abgegebenen Arbeiten in anonymisierter Form, als PDF, und zum Schluss die Noten als Offline-Aktivität.2 Man kann Wikis für die ganze Klasse oder für einzelne Arbeitsgruppen anlegen. Für individuelle Arbeiten sind andere Werkzeuge passender. Im Bild 6, noch weiter unten, sieht man die Anweisungen einer Schreibaufgabe, die sich sehr stark an den Themen und Übungen des Lehrbuchs anlehnt – und dennoch deutlich darüber hinaus geht.
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Bild 5 |
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Bild 6 |
Der Hauptgedanke bei dieser Art von Aufgaben ist, dass Schreiben viel Zeit und Planung bedarf, wobei in der Grundstufe sehr genaue Anweisungen eine wichtige Rolle spielen. In der Beispielübung gab es auch den Vorteil, dass konkrete Texte vom Lehrwerk ein Teil des nötigen Vokabulars lieferten und auch als Schreibmuster dienen konnten. Die jeweiligen Arbeitsgruppen haben verschiedene Texte geschrieben und gegenseitig Korrektur gelesen. Über das Tab Änderungen kann die Lehrperson nachzusehen, wer was gemacht hat, in dieser Aufgabe schrieben die Kursteilnehmer das extra hinzu. Bei der Rückgabe der Korrektur wurden die Namen der Lernenden durch Buchstaben ersetzt und die Texte der verschiedenen AGs aus der Sequenz gebracht, um einen gewissen Grad der Anonymität zu garantieren. Der nächste Bildschirm zeigt ein Beispiel der so erstellten Texte. Für einen Kurs am Ende der Grundstuffe (kurz vor dem Niveau B1 des Referenzrahmens) ist das Ergebnis erstaunlich gut.
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Bild 7 |
Die Markierungen wurden automatisch durch das Korrekturwerkzeug von MS Word generiert, unten sieht man auch einen sehr kurzen Kommentar (zu einem anderen Text) als Fußnote. Im Normalfall reicht die Rückgabe der Texte im Moodle als Rückmeldung der Lehrperson, gelegentlich stellen die Lernenden im nachhinein Fragen zu einzelnen Punkten, die ihnen nicht klar geworden sind. In manchen Fällen sind aber die Schwierigkeiten der Lernenden so gravierend, dass man einzelne Aspekte ganz gezielt im Unterricht wieder aufnehmen muss. Der Vorteil der kollektiven schriftlichen Rückgabe ist, dass alle durch die Schwierigkeiten (und gute Lösungen) aller lernen können. Hinzu kommt, dass die im Kurs produzierten Texte als Modell für künftige Gruppen auf der gleichen Stufe dienen können. So hat man im System eine Art kollektives Schreib- und Lerngedächtnis registriert. Dieses so generierte und gespeicherte Material kann dann auch Selbstlernern, die evtl. unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten (z.B. in fernen Gegenden) zugute kommen.
- Notenbuch / Bewertungen
Die obigen Beispiele stammen alle aus regulären Kursen vom ersten Semester 2008 am CEL/Unicamp, welche unter der Version 1.83 vom Moodle liefen. Das Bewertungsmodul wurde in der letzten Version (1.9.3+) vollständig überarbeitet und bietet nun viele neue Einstellungen und Analyseinstrumente an. Aus diesem Grund zeige ich im folgenden einige dieser Möglichkeiten anhand einer Simulation, wie die Ergebnisse eines der laufenden Kursen in der letzten Version aussehen würde.3 Hier kommt es weniger auf die zahlreichen Details an, es geht viel mehr darum, auf die Möglichkeit der Integration und Auswertung der Aktivitäten in den verschieden Modulen hinzuweisen. Bild 8 zeigt eine Palette dieser Alternativen und gibt eine Übersicht der verschiedenen Kategorien, denen Noten zugeteilt werden können. Uns interessiert nur die Integration von Hot Potatoes und Wikis in die Berechnung, auf die anderen (grau markierten) Kategorien sowie die verschiedenen Einstellungen gehe ich nicht ein.
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Bild 8 |
Beim Anklicken auf das + Zeichen neben der einzelnen Kategorien werden diese dann im Detail gezeigt, ein Anklicken auf ein – Zeichen bringt die Ansicht auf eine höhere Ebene. Beim Betrachten der errechneten Teilergebnissen im obigen Bildschirm wird deutlich, dass in der Kategorie Wiki die Noten dem wirklichen Stand im Kurs wiedergeben, bei der Kategorie Hot Potatoes dagegen scheint etwas nicht in Ordnung zu sein.
Die Erklärung dafür sieht man in der Beschreibung der einzelnen Aufgaben, wie im folgenden Beispiel (Bild 9). Da ist zu sehen, dass viele Lerner zwar die Aufgabe mit guten Ergebnissen gemacht haben, aber diese wurden nicht immer vom System richtig gespeichert. In einem Fall erreichte der Lerner (Zeile 3) die volle Punktzahl, aber der Versuch wird als abgebrochen verzeichnet. Dass so etwas passieren kann, ist eine Nebenerscheinung der Arbeit mit technologischen Mitteln: Es kann immer etwas falsch gehen, und oft ist die Lösung nur mit viel Mühe herauszufinden.
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Bild 9 |
Das Schöne am neuen Bewertungen Modul vom Moodle ist, dass man im Fall solcher technischen Fehler die Noten selbst editieren kann, sei es direkt im System oder durch Exportieren und Importieren (vgl. Bild 8). Man kann auch sehr genaue Analysen der Ergebnissen der einzelnen Fragen machen und darauf hin sowohl Verbesserungen in den Fragen selbst einführen oder auch –noch wichtiger – gezielte didaktische Maßnahmen treffen. Der nächste Bildschirm zeigt, wie so eine Analyse aussehen kann.
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Bild 10 |
In wie weit solche Analysen nötig sind, hängt sehr stark davon ab, welche Zielsetzungen der jeweilige Kurs hat, wie gut getestet die Aufgaben selbst sind und vielen anderen Faktoren mehr. Wichtig ist mir hier nur zu zeigen, dass alle diese Möglichkeiten im Moodle vorhanden sind, womit dem forschenden Lehrer Instrumente von unschätzbarem Wert in die Hand gegeben werden.
- Fazit
Ziel meines Kurzvortrags war zu zeigen, wie man elektronische Aufgaben in das Benotungssystem der Lernplattform Moodle integrieren kann. Gezeigt wurden die Arbeit mit geschlossenen Aufgaben im Format Hot Potatoes und kollektive Schreibaufgaben im Modul Wiki. In beiden Modulen verläuft das Programmieren auf sehr intuitiver Art und Weise, so dass die Lehrperson keine große Informatikkenntnisse dafür braucht – auch wenn diese natürlich willkommen sind. Durch die Benotung in kleineren Portionen wird das ständige Lernen gefördert, was der Fachdiskussion nach den Lernprozess positiv beeinflusst. Ein weiterer Vorteil vom Moodle ist die Speicherung der einzelnen Schritte im System, womit dann wertvolle Daten zur Überprüfung der im Kurs gesetzten Lernziele zur Verfügung stehen. Aus diesen und anderen Gründen zeichnen sich sehr gute Perspektiven für den Einsatz dieser Plattform im DaF-Unterricht ab.
Zum allen Letzten soll nochmals darauf hingewiesen werden, dass die hier abgedrückte Fassung aus Platzgründen stark verkürzt wurde. Der interessierte Leser kann sich über den Werdegang des jetzigen Konzepts sowie seine theoretische Fundierung u.a. in der elektronischen, ungekürzten Fassung der Kurzvortrags informieren. Die Datei ist unter der Adresse http://www.unicamp.br/~paulocel/HP_Wiki_Moodle.pdf abrufbar. Für weitere Diskussionen siehe auch OLIVEIRA, WUCHERPFENNIG & VETTER (2008). Für konkrete Beispiele im Moodle selbst kann man sich in die offene DaF-Kurse (Cursos abertos de alemão) vom Fernlernserver der Unicamp als Gast (Visitante) einloggen (http://moodle.ead.unicamp.br/).
Literaturhinweise
OLIVEIRA, Paulo, WUCHERPFENNIG, Norma, VETTER, Anisha. Alemão para universitários: formas híbridas. Cadernos de Letras, v.24, p.59-84. Rio de Janeiro: UFRJ, 2008. (ISSN 1413-0238. Elektronische Fassung unter: http://www.unicamp.br/~paulocel/leituras/ale_uni_rev-fin.pdf)
1 Diese Fassung wurde gemäß den formalen Anforderungen der Kongressannalen stark gekürzt. Eine nicht-gekürzte elektronische Fassung ist unter http://www.unicamp.br/~paulocel/HP_Wiki_Moodle.pdf abrufbar.
2 Im System sind keine Noten für den Wiki vorgesehen. Deswegen wird hier auf das Werkzeug Offline-Aktivität zurückgegriffen, mit dessen Hilfe man allerlei Aufgaben benoten kann, darunter auch solche, die z.B. im normalen Klassenraum gemacht wurden.
3 Dafür wurden die Daten vom laufenden Kurs gesichert und in einen Testserver mit der neusten Version hochgeladen. Das Sichern der Kursdateien kann im Moodle von der Lehrperson selbst auf sehr einfacher Weise und zu jeder Zeit gemacht werden. Mit den gesicherten Kopien lassen sich dann die Kurse an anderen Rechnern auch sehr einfach wiederherstellen.









